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Die Vermessung der Welt: Wie GPS hilft, Sachversicherungsrisiken exakter zu bewerten

Die Vermessung der Welt

GPS führt nicht nur Autofahrer sicher ans Ziel. Auch Versicherungsfachleuten hilft es, durch die Welt zu navigieren und Risiken zu minimieren. XL nutzt GPS gezielt, um Sachanlagen zu lokalisieren und eine Risikobewertung der Umgebung vorzunehmen. So entsteht eine Risikolandkarte, die das Bewusstsein für Risiken verbessert und eine genauere Einschätzung von Gefahren ermöglicht.

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Die Stimme des Navigationsgeräts führt den Fahrer sicher durch fremdes Gebiet und zu neuen Zielen – meistens zumindest. Manchmal wird man allerdings auch fehlgeleitet. Dann ist man auf die freundliche Stimme aus dem Navi häufig nicht mehr so gut zu sprechen.

Mit Hilfe des Global Positioning Systems (GPS) findet man den Weg zur Verabredung im Restaurant, sucht verloren gegangene Notebooks, spürt entlaufene Kinder auf oder findet den Weg zum ersten Date. Zur Lokalisierung werden Standorte in sich überlagernden Funkzellen von mindestens drei verschiedenen Satelliten aus berechnet. So können Gebäude, Fahrzeuge, Flugzeuge, Schiffe und Menschen geortet werden. Aber GPS leistet nicht nur dem Endnutzer gute Dienste. GPS hilft mittlerweile auch Underwritern und Risikospezialisten. Die Bedeutung für die Versicherungsbranche nimmt stetig zu.

Extreme Wetterverhältnisse und immer wiederkehrende Naturkatastrophen haben den Bedarf nach präzisierem Datenmaterial genärt. Versicherte verlangen nach immer genauerer Risikobewertung und entsprechend präzise berechneten Prämien. Es reicht nicht mehr, eine Sachanlage zu untersuchen und die geographische Lage zu beurteilen. Um eine Risikobeurteilung zu einer Sachversicherung machen zu können, muss man die Nachbarschaft kennen.

Die alte, zweidimensionale Vorgehensweise

Traditionelle Risikomodelle für Sachversicherungen basieren auf zwei Größen: Gebäudebesschaffenheit und Umweltfaktoren. Die Berechnung beginnt mit der Einschätzung durch den Kunden selbst. Der Underwriter arbeitet eng mit dem Risikospezialisten zusammen, der dann einen Außendienst-Ingenieur losschickt, um die Sachanlage anzuschauen und zu fotografieren. Der Ingenieur untersucht Baumaterial und Statik, Sicherheitsvorkehrungen, Gebäuderisiken, die Gefährdung durch Überschwemmungen und andere Umwelteinflüsse.

Der Risikospezialist nimmt dann die Einschätzung durch den Kunden und den Bericht des Ingenieurs, überprüft und ergänzt und übergibt dann beides zusammen zur Katastrophensimulation an die Kollegen der Abteilung Risikomanagement-Lösungen. Dazu werden seismologische, meteorologische und klimatologische Daten hinzugezogen, um zu einem abschließenden Risikomodell zu gelangen.

Das war nach der alten Vorgehensweise die beste Lösung. Eine zweidimensionale Bewertung. Zum einen die bautechnischen Risiken und zum anderen die Umweltrisiken. Auf dieser Basis konnten die Underwriter ihren Kunden Ratschläge geben, durch welche baulichen Verbesserungen und Vorkehrungen ein Risiko zu minimieren war, und haben die Prämie dementsprechend kalkuliert.

Die dritte Dimension

Durch GPS kommt eine neue, dritte Dimension in der Sachschaden-Risikoberechnung hinzu. Seit 2013 nutzt XL Group diese Möglichkeit in Form des Location Management Systems (LMS). Dafür werden alle verfügbaren ortsbezogenen Daten in einer geschützten Datenbank gesammelt, auch diejenigen über die unmittelbare Nachbarschaft einer Sachanlage. So werden mögliche Risikofaktoren in der Umgebung des Objekts frühzeitig entdeckt.

Dank LMS kann man eine versicherte Immobilie kartographieren: Man betrachtet sie nicht mehr isoliert, sondern inklusive Umgebung und bewertet das Risiko im Kontext des Risikoprofils der Nachbarschaft.

Zunächst wird diese Art der Vermessung oder Geokodierung im Vereinigten Königreich, den USA und Australien getestet. Über zwei „Geocode Engines“ wird – ähnlich wie bei Google Maps – Längen- und Breitengrad einer versicherten Sachanlage ermittelt. Die beiden Messungen werden abgeglichen, um die Präzision zu maximieren. Zur weiteren Verfeinerung werden Satellitenbilder hinzugezogen.

Sprache kann bei der geografischen Bestimmung helfen oder behindern. So kann eine chinesische Adresse in lateinischen Buchstaben uneindeutig werden. Das heißt, es kann leichter sein, einen Hubschrauberlandeplatz in London zu bestimmen als eine Fabrik in China in einem Umkreis von 100 Kilometern zu lokalisieren. Kunden können den Versicherer hier unterstützen, indem sie, sofern verfügbar, gleich den Geo-Code mitliefern – ähnlich der guten alten Postleitzahl, nur sehr viel genauer.

Jeder geokodierte Standort wird in der Datenbank von XL Group mit einer Kennung gespeichert. Dann wird er anhand von mehr als 400 Datenfeldern genau beschrieben. Diese Daten werden jährlich aktualisiert. So entsteht im Laufe der Zeit ein sehr genaues Profil. Jeder Versicherungsfall ist dann nicht mehr nur mit einer Police verbunden, sondern mit einem Standortprofil. Diese Informationen ermöglichen Einblicke, die vorher nicht möglich waren. Von der Police bis zur Prämie – der Versicherer kann alles sehr viel individueller berechnen, sehr viel präziser und passgenauer.

Dank der dritten Dimension und den damit ermittelten Standortdaten ergibt sich ein umfassendes, vollständiges Bild des Sachversicherungsrisikos.

Ein neues Werkzeug für globales Underwriting

LMS wird Teil der neuen Globalen Underwriting Platform (GUP) von XL Group, auf der die Prozesse zu allen Themen zusammenlaufen: Gefahrenpotential, Prämien, Risikomodelle, Angebote, Buchung und Ausführung von Policen. Wenn man auf eine bestimmte Sachanlage klickt, geht ein Fenster auf mit Datenbankinformationen zu Risiken, der Historie der Schadensforderungen und zu Policen. Indem laufend neue Sachanlagen zum LMS hinzugefügt werden, entsteht eine aggregierte Risikolandkarte. Underwriter können sehr schnell das Risikopotential einer bestimmten Location feststellen oder Schadensfälle in einem bestimmten Gebiet simulieren. Das ersetzt nicht die umfassende Portfolio-Steuerung, gibt dem Underwriter aber eine Vorstellung vom kumulativen Risiko in einer bestimmten Gegend.

Szenarien, in denen GPS neue Einsichten bietet

Nur 300 Meter entfernt von einer versicherten Getränkeabfüllanlage befindet sich eine Chemiefabrik, die ein Kontaminationsrisiko darstellt.

Der Heißwasserboiler einer nicht versicherten Textilfabrik explodiert und setzt dabei eine versicherte Anlage zur Herstellung von Dichtungen in Brand.

Zwei versicherte Schiffe liegen im Hafen. An Land stehen zwei versicherte Aufbereitungsanlagen, 100 Meter voneinander entfernt. 200 Meter weiter befindet sich ein versichertes Hotel. Die Abteilung Risikomanagement-Lösungen findet heraus, dass alle Objekte in der Schneise eines Wirbelsturms liegen. Zusammen kumuliert sich das zu einem großen Risikopotential. Die Variable sind die Schiffe. Sie erhöhen temporär das Risikopotential in dieser Gegend. Sind solche Information nützlich? Ja, sagen die Experten von XL Group: Dank LMS werden Risiken identifiziert, die zuvor gar nicht erfasst werden konnten. So bekommt die Risikobewertung eine ganz neue Qualität. Underwriter können Kunden besser beraten, Policen sind genauer auf die Risiken zugeschnitten und bieten damit besseren Schutz im Falle einer Katastrophe.

Zunkunftsmusik: Die vierte Dimension

Über die Zeit wird LMS dem Risikomanagement gar eine vierte Dimension hinzufügen: Schadensprüfer werden sich via Smartphone direkt vor Ort ins LMS einloggen. So haben sie sodann an Ort und Stelle alle Informationen zur Hand, können z.B. aktuelle Fotos hinzufügen und Daten über angrenzende versicherte und unversicherte Sachanlagen abrufen.

Aber damit nicht genug: Auf der nächsten Entwicklungsstufe des LMS werden immer mehr Versicherungsobjekte integriert sein. Ziel ist es, die Beziehungen zwischen Locations abzubilden, zum Beispiel entlang einer weltweiten Lieferkette. Ein Automobilhersteller wird nicht nur mit seiner Fertigung und deren Umgebung dargestellt – LMS wird auch die Supply Chain sichtbar machen, zum Beispiel die Anlieferung von Zündkerzen und die Auslieferung fertiger Motoren.

Ein weiteres Szenario: LMS könnte auch Ölplattformen, Flughäfen, Flugzeuge und Schiffe aufnehmen, weil die GPS-Daten rund um die Welt verfügbar sind.

Schließlich ist es durchaus denkbar, dass eines Tages jeder Mitarbeiter von XL Group Zugang zu LMS haben wird, um Informationen hinzuzufügen. Gerade unterwegs nach Barcelona? Dann bitte auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt ein Foto von einer bestimmten Fabrik machen und einstellen. Bisher nur eine Vision – aber bei XL Group arbeitet man daran, dass sie Wirklichkeit wird.

 

Ivan Welker ist Business-Architekt für den Sachversicherungs-Release der Globalen Underwriting-Plattform (GUP) und mitverantwortlich für die GENIUS-Plattform. Er ist zuständig für die operative Optimierung von Prozessabläufen, die Einführung neuer Geschäftseinheiten, für neue Niederlassungen und Off-Shoring-Projekte. Außerdem war er bis vor kurzem Underwriting-Experte für das deutsche Geschäft im Rahmen der Globalen Programme.

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