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Ist es nicht Zeit, den Fischen zuzuhören?

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Fische reagieren deutlich auf Veränderungen der Meere.

Wenn wir ihre Verhaltensweisen genau studieren, verstehen wir besser, welche Risiken der Klimawandel für unsere Gesellschaft und die Wirtschaft mit sich bringt.

Die Erforschung der Auswirkungen des Klimawandels auf die Meere und deren Bewohner helfen nicht nur bei dem Verständnis der laufenden Veränderungen. Sie bieten auch wertvolle Einsichten in die weiter gefassten Risiken, die der Klimawandel mit sich bringt. Deshalb unterstützt XL Catlin seit 2009 Meeresforscher, die sich auf wichtige Anzeichen für einen Wandel spezialisiert haben, wie zum Beispiel den Schwund des arktischen Meereises, die Gesundheit von Korallenriffen oder die Erkundung von Lebensräumen in der Tiefsee.

Mehr als 93 % der durch den Treibhauseffekt und andere menschliche Aktivitäten seit den 1970er Jahren erhöhten Erwärmung wurden von den Meeren absorbiert, so ein von XL Catlin unterstützter
Bericht der International Union for Conversation of Nature aus 2016.

Die Auswirkungen werden nun spürbar

Meeresbewohner wandern bis zu fünfmal schneller als vergleichbare Spezies an Land – meist in Richtung der Pole, wo das Wasser kühler ist. Es wandern jedoch nicht nur bestimmte Fischarten in kältere Gewässer ab, sondern auch deren Nahrung – wie zum Beispiel Plankton – bewegen sich infolge der wandelnden Lebensbedingungen in diese Richtung. Dies führt zu einer schnellen Veränderung der ozeanischen Ökosysteme.

Die Tatsache, dass Fische warme äquatoriale Gewässer verlassen, stellt eine Bedrohung für die Wirtschaft zahlreicher Entwicklungsländer dar, die stark vom Fischfang abhängig sind, sowohl was die Ernährung als auch den Handel angeht. In einigen Regionen könnten Aquakulturen untragbar werden und die Migration von bereits überfischten Beständen könnte in einigen Entwicklungsländern zu einer ernsthaften Gefährdung der Ernährungssicherheit führen.

Auch Versicherer und Rückversicherer sollten auf die Fische hören.

Verluste machen sich bemerkbar

Eine enorme Algenblüte in Chile – dem weltweit zweitgrößten Lachsproduzenten – führte 2016 sowohl zu wirtschaftlichen als auch versicherten Schäden, nachdem Millionen von Fischen gestorben waren. Algenblüten entstehen durch eine erhöhte Zufuhr von Nährstoffen, die ein rasantes Wachstum der Algen mit sich bringt. Sie können eine deutliche Verfärbung des Wassers bewirken und die Freisetzung von Giftstoffen verursachen, die den Tod von Fischen und anderen Lebewesen im Meer nach sich zieht.

Die Algenblüte in Chile führte im vergangenen Jahr zu lokalen wirtschaftlichen Schäden von ungefähr 600 Millionen Dollar, und etwa 15 % der jährlichen Lachsproduktion von Chile fiel ihr zum Opfer.

Die versicherten Schäden beliefen sich auf schätzungsweise 100 bis 110 Millionen Dollar. Dies war der höchste Verlust, mit dem sich der Versicherungsmarkt für Aquakulturen jemals konfrontiert sah. Er war im Vergleich zu vorherigen Verlusten etwa um das Sechsfache höher.

Verschlimmert wurden diese Verluste durch die hohe Konzentration von Fischzuchtbetrieben in einem einzigen Gebiet.

Und der Verlust an Fischbeständen machte sich auch in verbundenen Wirtschaftszweigen bemerkbar, zum Beispiel in der verarbeitenden Industrie.

Dieses Ereignis veranlasste einige Fischzüchter zur Analyse, ob sich ihre Produktion in weiter südlich gelegene Gewässer verlegen lässt, wo die Wassertemperatur niedriger ist und die Dichte an Fischzuchtbetrieben geringer ist.

Aber damit gehen auch neue Herausforderungen einher. Zwar könnte die Aufzucht von Fischen dadurch verbessert werden, aber die Infrastruktur und die Logistik befinden sich dort auf einem niedrigeren Entwicklungsstand. Daher ist eine Kosten-/Nutzenanalyse für eine solche Verlagerung ihrer Betriebe unerlässlich.

Obwohl sich die Algenblüten nicht auf eine einzige Ursache zurückführen lassen, gelten Veränderungen der Umwelt, wie zum Beispiel der Anstieg der Temperaturen, zu den das Wachstum von Algen begünstigenden Faktoren. Man nimmt also an, dass menschliche Aktivitäten dafür verantwortlich sind, dass Algenblüten häufiger und intensiver auftreten.

Das Risiko steigt

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Meere und die sich daraus ergebenden Verluste für die dort ansässigen Wirtschaftssysteme und Fischzüchter gewähren uns auch wertvolle Einblicke in die sich verändernde Risikolandschaft.

In den vergangenen Jahren hat das volatile Klima sowohl zu wirtschaftlichen als auch versicherten Schäden geführt, wie die durch einen Polarwirbel ausgelöste extreme Kältewelle in Kanada im Jahr 2015 zeigt. Tausende von Fischen starben, weil die Wassertemperaturen so weit fielen, dass ihr Blut gefror. Und wenn wir die Auswirkungen von anderen Wetterereignissen auswerten, lassen sich auch daraus Informationen über die sich entwickelnde Risikolandschaft ableiten.

Das Phänomen El Niño zum Beispiel kann enorme Auswirkungen auf das Meeresleben und die Aquakulturindustrie haben. Obwohl El Niño ein normales Naturereignis ist, welches die üblichen Wetterverhältnisse unterbricht, glauben zahlreiche Wissenschaftler, dass die steigende Intensität von El Niño in den vergangenen Jahren durch den Klimawandel bedingt ist.

El Niño betrifft insbesondere die Länder, die am Pazifischen Ozean liegen. Diese sind stark abhängig von Aquakultur und Landwirtschaft.

Risikomanagementmaßnahmen

Die Versicherungswirtschaft spielt eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, örtlichen Wirtschaftssystemen dabei zu helfen, sich gegen die mit dem Klimawandel einhergehenden Gefahren zu wappnen.

Neben dem Abschluss einer Versicherung können Fischzüchter geeignete Maßnahmen zum Risikomanagement einleiten, um die mit den Wetterereignissen einhergehenden Gefahren zu verringern.

Technologien zur Abschirmung der Aquakulturen, wie zum Beispiel schwimmende geschlossene Fischzuchtbetriebe, Notfallsauerstoffsysteme, Blasenschleier und landbasierte Umlaufwassersysteme, zielen darauf ab, die Interaktion zwischen den Fischen in den Zuchtbetrieben und der Meeresumgebung zu verringern.

Gute Haltung – das sorgfältige Management der Bedingungen, unter denen der Fisch aufwächst – dient nicht nur dem Wohlergehen der Tiere, sondern macht Fischfarmen darüber hinaus für Versicherer zu einem attraktiveren Risiko.

Und Maßnahmen zur Vermeidung von Überbeständen helfen dabei, das Krankheitsrisiko durch eine zu geringe Sauerstoffversorgung oder unsachgemäße Entsorgung von Abfallprodukten einzugrenzen. Denn dies kann zur Bildung von schädigenden Giftstoffen führen, die sich negativ auf die Gesundheit der Fische auswirken.

Fürsorge für die Fische – und die Bereitschaft, darauf zu hören, was sie uns durch ihre Migrationsmuster und Gewohnheiten mitteilen möchten – könnten uns einen großen Schritt bei der Bekämpfung der Risiken des Klimawandels voranbringen, der uns alle bedroht.

Unser Engagement für die wissenschaftliche Erforschung der Meere soll zu einem besseren Verständnis dieser lebenswichtigen Ökosysteme führen und uns Erkenntnisse über die Risiken der Zukunft unseres Planeten bringen.

Quelle:

International Union for Conservation of Nature: Explaining ocean warming, 2016. Abrufbar unter:
https://portals.iucn.org/library/sites/library/files/documents/2016-046_0.pdf

 

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