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Ist die EU auf Überschwemmungen vorbereitet?

Is the EU better positioned to manage floods?

Was die EU unternimmt, um Flutkatastrophen zu vermeiden.

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Europas Flüsse haben historische, kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung. Sie dienen als Grenzen. Sie versorgen Städte, Industrie und Landwirtschaft mit Wasser. Sie sind Transportwege. Sie spielen die Hauptrolle in Liedern und Versen.
 

Und manchmal treten sie über die Ufer.

Im Mai und Juni 2013 gab es in Mitteleuropa schwere Überschwemmungen. In Passau in Bayern, wo drei Flüsse zusammenfließen, erreichte der Pegel den höchsten Stand seit 500 Jahren. 25 Menschen kamen bei der Flut ums Leben. Es war das größte Schadensereignis des Jahres. Deutschland war besonders betroffen mit wirtschaftlichen Verlusten von ca. 10 Mrd. Euro und ca. 2,4 Mrd. Euro an Versicherungsschäden. 

Mit der Klimaerwärmung wird auch ein Anstieg des Hochwasserrisikos erwartet. In den Jahren 2000 bis 2013 verursachten Überschwemmungen in Europa Schäden in Höhe von durchschnittlich 5,5 Mrd. Euro jährlich. Neue Analysen zeigen, dass sich dieser Wert bis 2050 verfünffachen könnte, wenn keine Maßnahmen ergriffen werden, um Überschwemmungen und deren Auswirkungen entgegenzuwirken.

Ein umfassender und ganzheitlicher Ansatz

Im August 2002 erreichten die Niederschläge im Mitteleuropa einen Rekordwert. Donau und Elbe traten über die Ufer und verursachten schwere Überschwemmungen. Der Pegel der Elbe in Dresden erreichte den höchsten Stand seit 1275. Nur drei Jahre später, 2005, gab es bereits die nächsten schweren Überschwemmungen durch die Donau. Diese Folge von Flutkatastrophen hat die EU dazu bewegt, ein Programm zum Schutz vor Hochwasser auf den Weg zu bringen. Daraus entstand ein umfassender und ganzheitlicher Ansatz, der aus vier Komponenten besteht:  Vorbeugung, Krisenvorbereitung, Krisenmaßnahmen und Maßnahmen zum Wiederaufbau.

Vorbeugung

Die Maßnahmen zur Vorbeugung von Überschwemmungen leiten sich aus der EU-Hochwassermanagement-Richtlinie (2007/60/EG) ab. Die Richtlinie wurde 2007 von der EU-Kommission in Kraft gesetzt. Sie sieht vor, die Hochwasserrisiken in einem dreistufigen Prozess zu reduzieren. Die EU-Länder sollen zunächst die gefährdeten Flüsse und Küstengebiete definieren. Im zweiten Schritt sind sie aufgefordert, eine Landkarte zu entwickeln, die diese Gebiete ausweist und ihr Gefährdungspotential einordnet. Im dritten Schritt sind die Länder verpflichtet, Pläne zum Risikomanagement vorzulegen, die Maßnahmen zur Vorbeugung, zum Schutz vor Hochwasser und zur Krisenvorbereitung definieren. Die Phase der Bewertung wurde 2011 abgeschlossen, die speziellen Landkarten liegen seit 2013 vor; die Fertigstellung der Risikomanagement-Pläne wird für Ende 2015 erwartet.

Maßnahmen zur Vorbereitung auf Krisenfälle

Um frühzeitig vor Hochwasser warnen zu können, wurde das European Flood Awareness System (EFAS) geschaffen. EFAS kombiniert neueste Wettervorhersage-Technologie und hydrologische Modelle, um zweimal täglich einen Bericht zu erstellen, in dem die in den Flüssen geführten Wassermengen für die nächsten zehn Tage berechnet werden. Die Modelle, die beim EFAS zum Einsatz kommen, speisen sich aus einer Vielzahl von Quellen und beruhen auf Ensemble-Prognosen[1]. Die an EFAS beteiligten Partner, die nationalen Wasserschutzämter sowie Zivilschutzbehörden sollen so mindestens 48 Stunden vor dem erwarteten Eintreten einer Flut alarmiert werden.

Krisenmaßnahmen

Um bei Überschwemmungen Krisenmaßnahmen innerhalb und außerhalb Europas besser aufeinander abstimmen zu können, wurde zusätzlich das Emergency Response Coordination Centre (ERCC) gegründet.  Das ERCC fungiert bei Katastrophenfällen als Einsatzzentrum, steuert die Einsatzkräfte und koordiniert die Rettungsaktionen sowie die Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung. Darüber hinaus führt es Schulungen über bewährte Praktiken im Katastrophenmanagement durch und hilft bei der Erforschung der Ursachen, die zu Katastrophen geführt haben.

Maßnahmen zum Wiederaufbau

Der European Union Solidarity Fund (EUSF) wurde 2002 ins Leben gerufen, um Ländern, die von einer schweren Katastrophe wie Überschwemmungen betroffen sind, zu helfen. Der Fond springt ein, wenn die Schäden 3 Mrd. EUR oder 0,6% des BIPs eines Landes übersteigen. Die Gelder des EUSF sollen eingesetzt werden, um die Mittel zu ergänzen, die ein Land selbst aufbringt. Schwerpunkt der Unterstützung sind Notfallmaßnahmen zur Wiederherstellung kritischer Infrastrukturen, die Unterbringung von Menschen, die durch Hochwasser obdachlos geworden sind, und der Schutz bedeutender Kulturgüter. Das EUSF betrachtet Sachschäden und Einkommensausfälle als versicherbar und deckt entsprechende Schäden nicht ab.

Kommunikation und Koordination sind entscheidend

Die durch die EU geschaffenen Strukturen sind durchaus geeignet, die Wahrscheinlichkeit von Überschwemmungen zu senken und Schäden zu begrenzen. Es ist jedoch ein Top-Down-Ansatz über viele Länder mit ganz unterschiedlichen geologischen Gegebenheiten hinweg, der eine Vielzahl nationaler und lokaler Behörden einbezieht, vom Katastrophenschutz über Krisenstäbe bis zu Städte- und Raumplanern. 

Eine aktuelle Analyse im Rahmen des STAR-FLOOD[2]-Projekts kommt zu dem Schluss “…, dass die Umsetzung der Richtlinie zum Hochwassermanagement von Land zu Land sehr unterschiedlich verläuft. Während die Umsetzung zum Beispiel in Polen dazu führte, zum Schutz vor Hochwasser ganz neue Verfahren einzusetzen, wurden in den Niederlanden zwar einzelne Maßnahmen wie die Hochwasserrisiko-Landkarte gutgeheißen, die Richtlinie im Ganzen aber als bürokratischer Akt gesehen, der lediglich das, was ohnehin passiert, formalisiert, statt wirklich den Überschwemmungsschutz voranzubringen.“

Ohne eine Bottom-Up Akzeptanz wird zudem die lokale Unterstützung und Verankerung bei den zuständigen Stellen vor Ort fehlen. Es besteht die Gefahr, dass Maßnahmen nur fragmentiert umgesetzt werden, wodurch der Gesamterfolg beeinträchtigt würde. So hat die EFAS im Jahr 2013 zwar mit acht Tagen Vorlauf vor Überschwemmungen gewarnt. Doch anscheinend sind die Informationen nicht bei den Behörden in den betroffenen Gebieten angekommen. Folglich spielten sie auch keine Rolle bei den Krisenmaßnahmen, die vor Ort getroffen wurden.

Was Ihr Unternehmen tun kann, um sich vor Überschwemmungen zu schützen

Im ersten Schritt muss das Gefährdungspotential festgestellt werden. Die Europäische Umweltagentur hat dazu die Hochwasserrisiko-Landkarten zusammengeführt, die die Länder als Teil der Umsetzung der EU-Richtlinie zum Hochwassermanagement erstellt haben. Zwischenzeitlich wurde eine skalierbare Landkarte veröffentlicht, welche die gefährdeten Gebiete ausweist. Oft haben die städtischen und regionalen Behörden weiterführende Informationen. Auch die Risikoberater Ihrer Versicherung können Ihnen bei der Analyse helfen, ob und inwieweit ihre Unternehmensstandorte bedroht sind.

Wenn Ihr Unternehmen Hochwasserrisiken ausgesetzt ist, sollte es die lokalen und regionalen Notfallpläne kennen und aktiv mitentwickeln, um sicherzustellen, dass Ihre Anlagen und Gebäude entsprechend berücksichtigt und geschützt werden.

Wenn Ihr Unternehmen im Überschwemmungsgebiet liegt, ist nicht die Frage, ob es eines Tages betroffen sein könnte, sondern wann dies geschieht. Berücksichtigen Sie, dass im Katastrophenfall die kritische Infrastruktur beschädigt oder gar zerstört ist, und dass Pumpen, Generatoren und andere Notfallausrüstungen möglicherweise nicht zu bekommen sind. Es ist daher ratsam, die entsprechende Ausrüstung für den Notfall vorzuhalten. Notfallpläne müssen auf die einzelnen Standorte zugeschnitten sein; hierbei können wiederum die Risikospezialisten Ihrer Versicherung unterstützen.

Schließlich sollten auch die finanziellen Risiken einer Überschwemmung bewertet werden. Dies betrifft zum einen die direkten Kosten durch Schäden an Gebäuden und Anlagen und zum anderen den Verlust durch Produktionsausfall und Kunden, die abspringen. Ihr Versicherungsmakler kann Ihnen sagen, ob Risikotransfers ratsam sind und – falls ja – wie man sie kostengünstig strukturiert.

Die nächste Flut

Die von der EU geschaffenen Strukturen – wenn auch noch nicht vollständig ausgereift – haben die Basis dafür geschaffen, Hochwasservorbeugung, Maßnahmen zur Vorbereitung auf den Krisenfall­, Krisenmaßnahmen und Maßnahmen zum Wiederaufbau zu verbessern. Die Erfahrungen mit den letzten Flutkatastrophen haben gezeigt, dass es wirksame Maßnahmen zum Schutz vor Hochwasser gibt, wie diese aussehen und was dafür getan werden muss. Das gibt Anlass zu Optimismus, dass sich Europa Schritt für Schritt immer besser gegen Überschwemmungen schützt und die Auswirkungen und Schäden in Zukunft bedeutend geringer ausfallen.


[1] Ensemble-Prognosen sind eine Form der sog. Monte-Carlo-Simulation zur Vorhersage des Verhaltens von dynamischen Systemen, in diesem Fall von Flüssen.

[2] STAR-FLOOD ist ein EU-finanziertes Projekt, das “… Hochwasserrisiken bewertet und Maßnahmen definiert, wie der Hochwasserschutz für die Bevölkerung in urbanen Agglomerationen Europas verbessert werden kann.”

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