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Flammendes Inferno

Towering Infernos

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Ein Raub der Flammen

Ein in Flammen stehender Wolkenkratzer ist ein Anblick, den man nicht so schnell vergisst.

Es war an Silvester, kurz vor Mitternacht, als eine fehlerhafte Verkabelung des Flutlichts im 14. Stock eines Luxushotels am Persischen Golf die Außenverkleidung in Brand setzte. Schnell stand der ganze Turm in Flammen. Da sich ohnehin mehrere Fernsehteams in der Stadt aufhielten, um das Silvesterfeuerwerk zu übertragen, gingen die Bilder vom brennenden Wolkenkratzer schnell um die ganze Welt.

Bereits Anfang 2015 war ein anderer Wolkenkratzer am Persischen Golf in Brand geraten und die äußere Verkleidung vom 50. Stock aufwärts bis zum Dach des 79-stöckigen Gebäudes in Flammen aufgegangen. Die Liste ließe sich mit vielen weiteren Beispielen fortsetzen. Seit 2009 gab es weltweit mehr als ein Dutzend Brände  der Außenfassade von Wolkenkratzern, unter anderem in China, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Russland, der Türkei, Frankreich und Südkorea. 

Während die meisten dieser Feuer nicht auf den Innenbereich übergriffen, kann ein durch Brand entstelltes Gebäude dazu führen, dass Menschen darin nicht mehr arbeiten, wohnen oder übernachten wollen. In einigen Fällen waren die Beschädigungen erheblich – und in manchen davon stehen die Gebäude bis heute leer.  

Es braucht oft nur einen Funken

Bei diesen Bränden gab es eine Reihe von Gemeinsamkeiten. 

Alle begannen außerhalb der Gebäude und wurden oft von relativ harmlosen Quellen verursacht: einem Grill oder einer Zigarettenkippe. Nachdem die Außenverkleidung jedoch erst einmal Feuer gefangen hatte, breiteten sich die Flammen schnell aus und die Sprinkleranlage konnte nichts gegen diese externe Ausbreitung ausrichten. 

In allen Fällen enthielt die Außenverkleidung brennbares Material. Einem Vertriebsmanager für Fassadenverkleidungen zufolge entsprechen 5.000 Quadratmeter brennbarer Verbundplatten 19.000 Litern Brennstoff.“ 

Diese Platten – technisch bezeichnet als Wärmedämmverbundsysteme – bestehen typischerweise aus einer wärmedämmenden Schicht aus Plastik und einer dünnen Aluminiumbeschichtung auf beiden Seiten. Die Platten werden oft mit kleinen Bolzen als sog. „hinterlüftete Fassade“ an der Außenwand angebracht; dabei bleibt zwischen Wand und Verkleidung ein Zwischenraum. 

Fassadenverkleidungen gibt es von einer Reihe von Herstellern und in verschiedenen Ausführungen: mit gewöhnlichem Polyethylen als Kern, aus schwerentflammbarem Polyethylen und aus nicht brennbarem Material, bei dem mineralische Bestandteile dem Polyethylen hinzugefügt werden. 

Verbundplatten aus gewöhnlichem Polyethylen sind die preisgünstigste Option, sie können jedoch schnell Feuer fangen, schon bei schwachen Zündquellen. Einmal entzündet, breitet sich das Feuer häufig schnell über die ganze Höhe des Gebäudes aus, begünstigt durch den Schornsteineffekt, der durch den Abstand zwischen Platte und äußerer Gebäudewand entsteht. Wenn sich diese Feuer nach oben ausbreiten, kann die Feuerwehr oft die oberen Stockwerke mit Wasserschläuchen nicht erreichen und herabfallende Trümmer gefährden die Feuerwehrleute am Boden;  geparkte Autos und Gebäude in der unmittelbaren Umgebung werden ebenfalls beschädigt. 

(Im Schaukasten erfahren Sie mehr darüber, wie sich die Stadt Dubai auf diese Risiken einstellt, indem sie Feuerwehrleute mit Jet Packs” ausrüstet)

Gefahren vermindern

Im Laufe der Jahre wurden Prüfprotokolle (ASTM E-119 und NFPA 285) für die Bestimmung der Entflammbarkeit von äußeren Wandverkleidungen in die Bauvorschriften einiger Länder aufgenommen, insbesondere in den USA und im Vereinigten Königreich. Als Folge ist der Gebäudebestand in diesen Ländern in hohem Maße gegen Feuer der Außenwände geschützt. 

Andere Länder folgen dem Beispiel und beginnen ebenfalls, die Verwendung von brennbaren Außenverkleidungen zu regulieren. Saudi-Arabien, China und Südkorea haben beispielsweise in ihren Bauvorschriften die Verwendung von entflammbaren Platten stark eingeschränkt. 

In den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden Pläne, diese Gefahren in den Bauvorschriften zu berücksichtigen, verschoben, weil sie nicht weit genug gingen und weiter verschärft werden sollen. Die geplanten Verschärfungen sollen nicht nur die Verwendung brennbarer Materialien einschränken, sondern auch Hersteller bestrafen, die nicht genehmigte Materialien anbieten. 

Versicherer nehmen ebenfalls Einfluss auf die Verwendung von Verbundplatten bei Hochhäusern. Eric Deason, Underwriting Property Manager von XL Catlin in Deutschland erklärt: Die Zeichnungsrichtlinien von XL Catlin legen fest, dass Gebäude mit brennbaren Verbundplatten als hoch gefährdet eingestuft werden müssen. Ein Bürogebäude, das normalerweise als gering gefährdet klassifiziert würde, wird als hoch gefährdet eingestuft, wenn mehr als 25 Prozent des Gebäudes mit derartigen Verbundplatten verkleidet sind. Und eine Einstufung als hohe Gefährdung bedeutet, dass die Versicherungskonditionen entsprechend dem zugrunde liegenden Risiko angepasst werden müssen.“  

In vielen Ländern geben die Bauvorschriften jedoch Bauträgern und Architekten großen Spielraum bei der Auswahl von Außenverkleidungen. Underwriter lokaler Versicherungsgesellschaften sind unter Umständen nicht mit den Problemen vertraut und nehmen eine standardmäßige Klassifizierung der Immobilie vor. Ein namhafter Brandschutzbeauftragter bemerkte: Diese Länder haben bereits Beispiele für Schäden geliefert – und werden es weiterhin tun – die passieren können, wenn brennbare Materialien in Fassadenelementen verwendet werden  und diese Fassadenelemente nicht auf ihre Brennbarkeit geprüft wurden.

Somit sollten die Besitzer und Manager von Hochhäusern die genaue Zusammensetzung der Außenverkleidung ihrer Gebäude kennen, besonders in Ländern, die bis jetzt die Verwendung von nicht entflammbaren Materialien nicht vorgeschrieben haben. Und wenn die Verkleidungen aus gewöhnlichem Polyethylenkern bestehen, sollten Vorkehrungen getroffen werden, um das Risiko zu minimieren, dass das Gebäude einem Feuer zum Opfer fällt.

  • Die außen am Gebäude angebrachte Elektrik sollte überprüft und wenn nötig abgeschirmt werden

  • Baufirmen, die in unmittelbarer Nähe eines Gebäudes tätig sind, sollten auf das Risiko aufmerksam gemacht werden und besondere Vorsicht walten lassen, wenn sie z.B. schweißen oder andere Tätigkeiten ausführen, bei denen es zu Funkenflug kommt

  • Bei Wohnhäusern mit Terrassen sollte die Benutzung von Grills, Plastik- und Holzmöbeln sowie die Lagerung brennbarer Haushaltsgegenstände eingeschränkt werden

     

Verschiedene Nachrüstungsmöglichkeiten zur Verbesserung des Brandschutzes von Gebäuden mit brennbaren Fassaden werden zur Zeit getestet. Dazu gehört der Einbau von nicht brennbaren Fassadenplatten in bestimmten Abständen, um Brandschneisen anzulegen, und die Installation von Sprinklern in bestimmten Höhen, um Feuer an der weiteren Ausbreitung zu hindern. 

Brandschutzbeauftragte können Gebäudeeigentümer und Gebäudemanager dabei unterstützen, das Risiko eines Fassadenbrandes festzustellen und die nötigen Maßnahmen zu definieren, um eine Gefährdung zu minimieren. Versicherer sollten über diese Risiken Bescheid wissen, sowohl für neue als auch für bestehende Gebäude, und ihre Policen und Prämien entsprechend gestalten.

Möchten Sie mehr darüber erfahren? Roland Murr gibt gerne Auskunft: roland.murr@xlcatlin.com

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