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Diamantenfieber: Von der Mine an den Finger

Diamantenfieber: Von der Mine an den Finger

Nicht nur die Unternehmen, die unmittelbar mit Diamanten zu tun haben brauchen Versicherungsschutz. Auch Speditionen, Investoren, Luxus-Labels, Händler und schließlich die Kunden, die den Diamanten als fertigen Schmuck kaufen, wollen das kostbare Gut in Sicherheit wissen. Entlang dieser Kette hat jedes einzelne Glied ganz eigene Bedürfnisse, und es ist wichtig, dass zu jedem Zeitpunkt klar ist, wer wann welches Risiko trägt und absichert. Weltweit ist kaum eine Police bekannt, die einen Diamanten auf seiner Reise komplett versichert. Vielmehr sind mehrere maßgeschneiderte Policen nötig.

Sprechen wir zunächst über das nahe liegende Risiko, den Diebstahl. Ist Diebstahl in allen Phasen der Diamanten-Verarbeitung ein Risiko?

Der einzelne Minenarbeiter wird wahrscheinlich nie einen Diamanten sehen oder anfassen können, das vergisst man gerne. Grund: Der Abbau geschieht heute weitgehend automatisiert. In diesem frühen Stadium beträgt der Gehalt oftmals weniger als ein Karat (0,2g) pro Tonne Abbau – und nur 20% der produzierten Diamanten haben auch tatsächlich Edelstein-Qualität. Erst wenn die Diamanten gelagert werden, besteht also ein wirkliches Diebstahlrisiko – und dies trotz der oftsmals sehr strikten Kontrollen der Mitarbeiter. Nächstes Risiko ist der Transport. Dabei kann es zu Diebstahl und Unterschlagung kommen. Dazu werden ganz einfache Techniken angewendet oder aber auch sehr ausgefeilte.

Welche Risiken sind die kompliziertesten für Underwriter?

Immer dann, wenn der Diamant sehr exponiert ist, besteht auch das höchste Risiko. Das ist beim Transport so und immer dann, wenn die Menge an Diamanten an einem Ort besonders groß ist. Da hilft auch erhöhte Sicherheit nicht immer. Wenn die Summe, um die es geht, groß genug ist, werden auch auf Seiten der Diebe große Risiken in Kauf genommen. Beim Transport ist es ähnlich, dort kam es letztes Jahr am Brüsseler Flughafen zu einem Zwischenfall, der für Schlagzeilen sorgte.

Haben Sie persönlich jemals eine Diamantenmine besucht?

Ja, ich war in der größten Diamantenminen der Welt, in Botswana. Das schätze ich sehr an meiner Arbeit; wir reisen sehr viel, um Risiken vor Ort richtig einzuschätzen und unser Angebot entsprechend gestalten zu können. Wenn man den Weg des Diamanten nachverfolgt, versteht man die damit verbundenen Risiken am besten.

Wie gehen die Versicherer selbst mit großen Risiken um?

Für den britischen Einzelhandel und bei Deckungen von weniger als einer Million Pfund, werden die Policen von lokalen Versicherern, großen Versicherungsgruppen oder anderen Lloyd’s-Syndikaten ausgestellt. Für Bergwerke, die Deckungen in der Größenordnung von vielen hundert Millionen Pfund benötigen, oder auch für die Luxusgüterbranche, bietet der Mitversicherungsmarkt Möglichkeiten, durch Diversifizierung das Risiko zu verteilen.

 
Die “Diamanten-Pipeline”

In der Branche spricht man vielfach von der “Diamanten-Pipeline”: Sie beschreibt den Weg, den ein Diamant geht. Es beginnt mit der Förderung der Rohdiamanten. Das passiert in Bergwerken, aber auch in alten Flussbetten, entlang von Eisströmen oder auf dem Meeresgrund.

Die Diamanten werden dann von Großhändlern auf Börsen angeboten, dann weiterverarbeitet und geschliffen. Hawkins schätzt, dass in der Diamanten-Pipeline mehr als 80% der Schleiffarbeit weltweit in Indien stattfindet.

Nach dem Schliff gehen die Diamanten wieder an Großhändler oder Juweliere zur Verarbeitung zu Schmuck, bevor sie zum Verkauf in den Einzelhandel kommen. Im Branchenjargon bezeichnet man die Pipeline-Phase in Richtung Endkunden als “stromabwärts”.

Hawkins zufolge gibt es zwar Marktteilnehmer, die entlang der gesamten Pipeline tätig sind, doch in der Regel geht ein Diamant durch viele verschiedene Hände, bevor er seinen Platz an einem Finger findet. 


Graham Hawkins   ist Global Chief Underwriting Officer of Fine Art and Specie  bei der XL Group.
Er leitet ein Team von 18 Underwritern in 11 Büros weltweit, und hat bereits einige der wertvollsten Gegenstände der Welt versichert. Graham Hawkins ist seit 2003 bei der XL Group und hat zuvor bei Merrett, Bankside Underwriting und SVB gearbeitet.

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